Bewegung für alle Kinder: Spezialfortbildung für die Kita-Kooperationspartner
„Bewegung für alle Kinder: Wir fördern die Zusammenarbeit von Kitas und Sportvereinen“ - so heißt es auf der Homepage der Sportjugend Hessen, die Trägerin der Initiative „mehr Bewegung in den Kindergarten“ ist. Unter diesem Dach betreibt die LSG seit 2018 eine Kooperation mit der Kita St. Antonius Oberselters und seit 2024 mit der Kita Auenland in Niederselters.
Im Rahmen dieser Kooperationen waren die LSG-Übungsleiterinnen, die die Kooperationen betreuen, und die entsprechenden Fachkräfte aus den Kitas zur jährlichen Spezialfortbildung in den Sportkindergarten Weiterstadt eingeladen.
Inhalte der ganztägigen Fortbildung waren bekannte und neue Bewegungsspiele mit und ohne Musik, praktische Bewegungsgeschichten, Entspannung, Anregungen für die Stundengestaltung mit fantasievollem Geräteeinsatz und Vorschläge für einen bewegten Elternabend. Die Referentin und Buchautorin, Annette Krawietz (Dipl. Sportlehrerin mit dem Schwerpunkt Psychomotorik), betonte noch einmal die Bedeutung von Bewegung und Sport für die frühkindliche Entwicklung.

Die LSG-Übungsleiterinnen Kerstin Rumpf (vorne) und Brigitte Ohde-Seidel (re.) nahmen zusammen mit ihren Kooperationspartnerinnen aus den Kitas, Sophie Steinheimer (links) und Nicole Weniger-Sawetzki (Mitte) an der Spezialfortbildung „mehr Bewegung in den Kindergarten“ der Sportjugend Hessen teil
Psychomotorik ist ein Ansatz, der die Bewegung als Mittel nutzt, um die psychische, emotionale und soziale Entwicklung von Kindern zu fördern. Es geht darum, durch Bewegung und Spiel die Verbindung zwischen Körper und Geist zu stärken. Beim Balancieren beispielsweise trainiert ein Kind nicht nur seine motorischen Fähigkeiten, es lernt auch, sich zu konzentrieren, Ängste zu überwinden und Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten zu entwickeln. Diese ganzheitliche Entwicklung ist das Herzstück der Psychomotorik.
In der Praxis bedeutet dies, dass im Kindergartenalltag spezielle Aktivitäten angeboten werden, die genau auf diese Verknüpfung abzielen. Das können Spiele sein, die Koordination und Gleichgewicht fordern, kreative Konstruktionsspiele, die sowohl die Feinmotorik als auch das räumliche Vorstellungsvermögen verbessern, oder Rollenspiele, die helfen, soziale Kompetenzen zu entwickeln.
Durch diese Aktivitäten erfahren Kinder ihren Körper bewusst und lernen gleichzeitig, ihre Emotionen und ihr Verhalten zu steuern. Dies trägt wesentlich dazu bei, ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen aufzubauen. Daher ist Psychomotorik eine Schlüsselkomponente in der frühkindlichen Bildung, die weit über das bloße „Herumtoben“ hinausgeht.
Jeden Donnerstag hält LSG-Übungsleiterin Brigitte Ohde-Seidel in der Kita St. Antonius Oberselters Bewegungsstunden für 3 Gruppen. Übungsleiterin Kerstin Rumpf kommt jeden Freitag in die Kita Auenland in Niederselters und bietet allen drei Altersgruppen eine Sportstunde von jeweils 45 Minuten an - vornehmlich auf dem Sportplatz.
Entwicklungsförderung durch Bewegung
Studien zeigen, dass Kinder, die regelmäßig psychomotorische Aktivitäten ausüben, besser in der Lage sind, soziale Kontakte zu knüpfen, Konflikte zu lösen und Stress zu bewältigen. Diese ganzheitliche Förderung macht Psychomotorik zu einem essenziellen Bestandteil frühkindlicher Bildung.
Die Hauptziele der Psychomotorik sind breit gefächert und zielen darauf ab, Kinder in ihrer Gesamtheit zu fördern. Ihre zentralen Ziele sind einerseits die Förderung der motorischen Entwicklung: Durch gezielte Übungen und Spiele werden die Grob- und Feinmotorik der Kinder geschult. Dies umfasst alles von der Koordination der großen Bewegungen, wie Laufen und Springen, bis hin zu feineren Aktivitäten wie das Zeichnen oder das Manipulieren von kleinen Objekten. Außerdem ist die Stärkung des Selbstbewusstseins und Selbstvertrauens ein wichtiges Ziel: Psychomotorik hilft Kindern, ein besseres Gefühl für ihren eigenen Körper zu entwickeln. Durch die Bewältigung körperlicher Herausforderungen lernen sie, ihre eigenen Fähigkeiten zu erkennen und zu schätzen, was wiederum ihr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen stärkt.
Darüber hinaus geht es um die emotionale und soziale Entwicklung: Psychomotorische Aktivitäten bieten reichlich Gelegenheiten für soziale Interaktionen und emotionales Lernen. Kinder lernen, im Team zu arbeiten, zu teilen und abwechselnd zu spielen, was ihre sozialen Fähigkeiten verbessert. Gleichzeitig erleben sie verschiedene Emotionen, die sie lernen, zu verstehen und zu regulieren. Hinzu kommt die Unterstützung der kognitiven Entwicklung: Obwohl die körperliche Aktivität im Vordergrund steht, trägt die Psychomotorik auch zur kognitiven Entwicklung bei. Durch Bewegungsspiele und Problemlösungsaufgaben werden kritisches Denken, Gedächtnis und Problemlösungsfähigkeiten gefördert. Gleichzeitig zielt die Psychomotorik auf Kreativität und Ausdrucksfähigkeit ab: die Aktivitäten ermutigen Kinder auch, kreativ zu sein und sich durch Bewegung, Spiel und Tanz auszudrücken. Dies fördert nicht nur ihre künstlerischen Fähigkeiten, sondern hilft ihnen auch, Gefühle und Gedanken auf eine gesunde und produktive Weise zu kommunizieren.
Damit bietet die Psychomotorik eine umfassende Unterstützung für die Entwicklung von Kindern, die weit über die reine Bewegungserziehung hinausgeht.

Am Ende des Lehrgangs wurde eine Bewegungslandschaft aufgebaut und die Teilnehmerinnen probierten die Übungen selbst aus – etwa Krabbeln, Klettern und Balancieren auf wackligen Untergründen.





